Grundwissen
Was sind eigentlich Emotionen? Für wen ist das Ganze geeignet – und für wen nicht? Hier erfährst du die Grundlagen und Voraussetzungen.
Was ist Coaching?
Für Coaching ist das Individuum jenes «Ereignis in einem Fall», das zuerst einmal in seiner Eigenständigkeit begriffen wird, bevor es sich als Leistende(r) im Rahmen gesellschaftlicher Verpflichtungen verwirklichen kann und von daher gesehen als individuell-gruppenbezogen akzeptiert wird. Coaching ist subjektive Betreuung eines Menschen im Hinblick auf seine Erwartungen und deren optimale Verwirklichung in seinem Berufs- und Privatleben.
Ausstattungen des Coaches
Ein Coach braucht drei Ausstattungen:
Ausstattung 1:
Eine Sammlung angemessener Verhaltensweisen, die für den Entwicklungsvorgang des Klienten besonders förderlich sind. Hierzu gehört eine exzellente, fachbezogene Kommunikationsausbildung mit Realisierung dieser spezifischen Fertigkeiten.
Ausstattung 2:
Ein ausreichendes Kompendium von Verfahrensweisen, Wissensstoffen und Trainings, die aus der genauen Kenntnis der psychischen Vorgänge des Menschen entwickelt werden (somit dem jüngsten Wissensstand entsprechen müssen) und für das Individuum jeweils angepasst verwendet werden.
Ausstattung 3:
Einige Fähigkeiten ganz eigener Art, die ihn zum Coach prädestinieren.
1. Regeln des Coaches [1]
• Der Coach darf nicht für den Klienten bewerten und interpretieren oder irgendeine seiner Äusserungen herabmindern.
• Dem Coach muss es ein selbstverständliches Anliegen sein, die Informationen, Einsichten, Erlebnisse, usw., die ihm der Klient mitteilt, nur zu dem Zweck zu verwenden, dass sie Coaching unterstützen und fördern. Niemals treten Informationen aus dem Bereich dieser Zweiergemeinschaft heraus.
• Es ist die Pflicht des Coaches, das vom Klienten Mitgeteilte zu verstehen. Er, der Coach, muss dafür sorgen, dass dies geschieht.
• In Sitzungen/Beratungen/Trainings ist der Coach ungeteilt an dem interessiert, was der Klient äussert. Daraus folgt, dass der Coach keine wie auch immer «betonte» Rolle spielt oder überraschendes, unberechenbares Verhalten zeigt.
• Es muss die feste und eindeutige Absicht des Coaches sein, seinen Klienten bei der Behebung aller Stressarten und bei seiner Fähigkeitssteigerung beizustehen und förderlich zu sein.
• Ein Coach arbeitet nur mit solchen Menschen zusammen, die seinen Beistand ausdrücklich wünschen und die er selbst als Klienten akzeptiert.
• In Anbetracht seiner vielseitigen Ausbildung wird vom Coach erwartet, dass er alle Veranstaltungen zu einem für den Klienten positiven Erfolg führt.
• Der Coach verpflichtet sich, bei Bedarf einen kompetenten Kollegen, eine Kollegin oder ein Institut beizuziehen.
• Ein Coach versteht sich als Mitglied einer Gruppe von Spezialisten und Generalisten und ist selbst ein Universalist, dessen Pflicht es ist, aus der stets übergeordneten menschlichen Sichtweise der Probleme und Konflikte Handlungskooperationen mit dem Klienten in die Wege zu leiten oder zu koordinieren.
2. Humanwissenschaftliche Kenntnisse und Verhaltensweisen
Glücklicherweise haben die verhaltenspsychologischen Vorstellungen vom Menschen heutzutage an Einfluss verloren, so dass sich feststellen lässt: Dem Menschen stehen jetzt leichter zugängliche und zutreffendere Modelle zur Verfügung, die ihm die Möglichkeit eröffnen, sich als Individuum zu verstehen und verstanden zu werden. Unter diesem Aspekt hat sich der «personenzentrierte» Gesichtspunkt [2, 3] als der erfolgreichste erwiesen. In Verbindung damit hat sich herausgestellt, dass das folgende Modell allseits gern angenommen wird (Abb. 1).
Das Ich (Wesen, Individuum, Bewusstheit; die Einheit, die sich selbst erkennt und weiss) ist als solches von Anbeginn und grundlegend als makellos zu verstehen. Entscheidend ist, dass der Klient sich selbst im Kern so begreift und demgestalt sein Leben angemessen lebt.
Dieser Einsicht entgegen steht die allseits bekannte Tatsache von der «Fehlerhaftigkeit» des Menschen. Diese erklärt sich aus «Gelerntem», das nicht in das Ich integriert werden konnte. Unter Druck, Schmerz, Disqualifizierung, Ermüdung usw. lernt kein Mensch wirklich. Nur die zwangsfreie Einsicht in Lerninhalte gewährleistet Ich-Integration.
Folglich gibt es in jedem individuellen Leben eine Vielzahl von schmerzlichen Situationen, die verdrängt werden müssen, will der Mensch möglichst wenig von ihnen beeinflusst seine täglichen Anforderungen erfüllen. Verdrängung ist eine Aufgabe der Mentalen Ausstattung (MA), die viel Energie kostet, die dann für Konstruktives nicht mehr zur Verfügung steht. Die MA, die ferner unter Steuerung des Ichs eine Art mechanische Lebenshilfe sein sollte, erfüllt ihre Aufgabe oft nicht, vor allem dann nicht, wenn der Körper durch physische Überbelastung, Schlafmangel oder durch Medikamente, Rauschmittel oder Alkohol geschwächt ist.
Die in Abbildung 1 dargestellten sich überschneidenden Kreise kennzeichnen das Beziehungsgeflecht der Teile des Menschen. Unter dem Einfluss eines Konflikts, eines Problems, eines Verlustschmerzes usw. hat der Mensch das Gefühl, das Dilemma betreffe ihn im Kern, ganz und gar. Dieser Kern (das Ich) geht aber nie vollständig in diesem Dilemma unter, sonst wäre eine personenzentrierte Arbeit zwischen Klient und Coach nicht möglich.
Der Coach wendet sich ausschliesslich an dieses Ich, das Informationen aus seiner MA erhält und diese dem Coach berichtet.
In der praktischen Arbeit hat sich erwiesen, dass sich der Klient in der Regel zuerst aller Stressarten entledigt; später tauchen die Elemente – von der MA freigegeben – auf, die sich als verschüttete Fähigkeiten und Begabungen herausstellen und an deren Hebung Klient und Coach gleichermassen interessiert sind.
Emotionsarbeit
Eine wichtige Hilfe in der Arbeit von Klient und Coach ist die Klärung, unter welchen emotionalen Gestimmtheiten Pflichten zu Last und Arbeit unter welchen zu Spiel ohne Leichterfertigkeit werden (Abb. 2). Wenn wir uns auf die drei oberen Stufen beziehen, sehen wir, dass in diesen Zuständen die besten Motivationen von Mitarbeitern inspiriert werden können. Hier finden wir den individuellen Teamgeist, der vom Einzelnen ausgehend die Gruppe beeinflusst und Übereinstimmungen erzielt.
Im Bereich darunter sind nur Kompromisse erreichbar, ein Zustand zeitweiligen Stillstands schwärender Konflikte. Bei «Zorn» bis «Hinterhältigkeit» wird Zusammenarbeit offen oder heimlich torpediert, und im Zustand der letzten Stufen kann nur noch mit Befehlen und Sanktionen gearbeitet werden. Diese Darstellung soll klarstellen, dass eine Emotionsarbeit im umfassenden Sinne mit einer Aufarbeitung von Stresssituationen identisch ist, deren Verfahrensweisen aus dem Geist einer exakten und zugleich offenen Humanwissenschaft [4] entstanden sind und ständig weiterentwickelt werden.
Die mit Tests und Gesprächen herausgefundene allgemeine emotionale Gestimmtheit des betreffenden Menschen ist der Ausgangspunkt für eine Stressbearbeitung. Diese Vorarbeit muss kostenfrei sein, weil erst durch sie geklärt werden kann, ob Klient und Coach zusammenarbeiten können oder wollen.
Das bis hier Dargestellte verdient nicht im eigentlichen Sinne als «Coaching» bezeichnet zu werden; der Coach ist Beistand. Er wird erst dann Coach, wenn er in die Tätigkeiten Wissensvermittlung und Training eintritt, die beide erst jetzt, nach der Entstressung, angegangen werden können – eine Tatsache, die in Managementtrainings fast immer vernachlässigt wird.
Berichte von Personalleitern beklagen immer wieder, dass eine stabile Änderung des Verhaltens und der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern nach solchen Trainings in den seltensten Fällen zu verzeichnen ist (Abb. 3). Unter dem Aspekt der Ergebnisprüfung wird deutlich, dass Coaching in Kompetenzbereiche aufgeteilt wird, wobei der Coach/Beistand federführend sein muss, um bei der «Realisierung» bzw. Behebung von Mängeln und noch vorhandenem Stress zur Hand sein zu können.
3. Grundfähigkeiten des Coaches
Um in eine standardisierte, vollständige Ausbildung zum Coach aufgenommen zu werden, muss der Anwärter erst einmal getestet werden. Ansätze zu folgenden Fähigkeiten müssen vorhanden sein und werden in Ausbildung und Praxis gefördert:
– Sich treu bleiben
– Probleme lösen können
– Sich Ziele setzen
– Eine erweiterte Bewusstheit anstreben
– Mutig sein
– Die Ansichten anderer wertschätzen
– Ethisch sein
– Gerne helfen
– Kreativ sein
– Selbstvertrauen haben
– Harmonie schätzen
– Sich konstruktiver Selbstkritik stellen
– Gerne lernen u. v. a. m.
Ein auf zwei Jahre begrenztes provisorisches Berufszertifikat wird nach Überprüfung von Praxisfällen zu einem permanenten Zertifikat. Selbstverständlich hält sich der Coach auch danach an die Supervisionsregelung.
Coaching-Varianten
Ungleich Maslow [5], der die Arbeit mit einem Manager erst dann akzeptiert, wenn dieser sich im Zustand der «Motiviertheit», also ohne emotionale Mängel und ohne Fehlemotionen, befindet, gliedert sich nichtnormatives Coaching in drei Stufen, so dass jeder – wie auch immer «motivierte» – Mensch sein für ihn zutreffendes Coaching erhalten kann (Abb. 4). In der Praxis hat sich erwiesen, dass die Ergebnisse auf unteren Stufen den Wunsch nach Entwicklung in den oberen Stufen wecken und fördern.
Coaching dieser Art orientiert sich an der Verantwortung und Sorgfalt für die Belange des Individuums und verweigert sich jeder normativen Gesinnung, die diesem Prinzip widerspricht.
Literatur
1 Gerbode, Frank A., Basic Facilitator Course, S. 22 ff, IRM Press, Palo Alto, 1988.
2 Rogers, Carl R., et al., Die klienten-zentrierte Gesprächstherapie, München, 1975.
3 Gendlin, Eugene T., Focusing – Technik der Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme, Salzburg, 1981.
4 Gerbode, Frank A., Beyond Psychology – An Introduction to Metapsychology, S. 449 ff, IRM Press, Palo Alto, 1988.
5 Maslow, Abraham H., Eupsychian Management: A Journal, S. 15 ff, Homewood, Illinois, 1965.