Grundwissen

Was sind eigentlich Emotionen? Für wen ist das Ganze geeignet – und für wen nicht? Hier erfährst du die Grundlagen und Voraussetzungen.

Einführung ins Selbst-Coaching

Wenn du feststellst, dass du dich nicht mehr so wohl fühlst, nicht mehr so leistungsfähig, nicht mehr so zuversichtlich auf die Zukunft gerichtet bist, wie du dies noch vor einiger Zeit warst und wenn du dich entschieden hast, dass du diesen abträglichen Zustand verändern willst, dann hast du den ersten Schritt getan, um dir aus dem Dilemma heraus zu helfen.

Dann mache dir bitte klar, dass kein Zustand, keine wie auch immer geartete Befindlichkeit, je festgezurrt und nicht mehr zu verändern ist. Jedes Teil in unserem Universum verändert sich ständig. Es wäre schon sehr verwunderlich, wenn diese naturwissenschaftlich abgesicherte Wahrheit nicht auch auf den Menschen zuträfe!

Und es wäre noch verwunderlicher, wenn der Mensch mit den ihm eigenen Bewusstseins-Kräften nicht in der Lage wäre, die Veränderungen nach seinem Willen zu richten.

Dein nächster Schritt besteht darin, dass du dir Kenntnis verschaffst, in welchem emotionalen Zustand du zur Zeit bist. Dazu stehen dir in diesem Handbuch umfangreiche Informationen zur Verfügung und ich empfehle dir, sie gründlich zu lesen, denn sie werden dir viele Aufschlüsse vermitteln, durch die du verstehen lernen wirst, in welchen Umgebungen es förderlich, in welchen es hinderlich für dich zugeht.

Wenn du hingegen feststellen solltest, dass du dich im Bereich unter dem Emotions-Niveau „Zwiespältigkeit“ befindest, rate ich dir, dich den Inhalten dieses Handbuchs erst wieder zuzuwenden, wenn durch glückliche Umstände, Überwindung einer Erkrankung oder misslichen Lebensumständen oder nach erfolgreicher psychotherapeutischer Hilfe sich dein emotionaler Zustand gehoben hat. Dann kannst du dich mit diesem Handbuch ans Werk begeben.

Du hast also deine dich betreffende Emotions-Einschätzung durchgeführt und bist zu dem Ergebnis gekommen, dass du dies Selbst-Coaching machen möchtest. Dann gibt es einige grundlegende Verhaltensweisen/Kenntnisse, die vorerst abgeklärt werden müssen. Diese, wie auch alle Verfahrensweisen, kannst du umformulieren, wenn du dies Coaching mit einer dir vertrauten Person (Co-Partner) zusammen durchführen möchtest, was ich sehr empfehlen kann. Denn auf diese Weise habe ich selbst vor vielen Jahren mit einer Kollegin, die im gleichen Lebensentwicklungs-Prozess war wie ich, einige vergleichbare, inzwischen veränderte und auf unsere Zeit angepasste Verfahren selbst erprobt und erlebt. Wir waren Teilnehmerinnen einer Forschungsgruppe in den USA, die sich u.a. mit der Erforschung und Erprobung von Trauma-Bereinigungs-Methoden befasste, die sich im Ergebnis als Power-Methoden erwiesen und weltweit von Kollegen mit großen Erfolgen angewendet werden.

Inzwischen sind bereits zwei Generationen von Kollegen „nachgewachsen“, die mit diesen Verfahren arbeiten.

Den Fragen der Trauma-Bereinigung werde ich mich allerdings im folgenden nicht zuwenden, denn man kann sie im Selbst-Coaching nicht mit Erfolg anwenden. Dazu braucht es einen ausgebildeten Beistand.

In diesem Handbuch wirst du nur bei Beiträgen, die ich in früheren Jahren verfasste, etwas Gegendertes lesen. In neuerer Zeit gendere ich nicht mehr. Das hat seinen Grund: Ich erlebe den Menschen als Kernwesen in seinem „makellosen“ (Carl R. Rogers) Grund-Zustand, der sich in vielen verschiedenen Identitäten darstellt. So sind sein Beruf, seine Zugehörigkeit zu einer Familie, zu Gruppen, zu Ehrenämtern, zu einem Staat und zu einem bestimmten Geschlecht u.v.a.m. unterschiedliche Identitäten. Alle diese Identitäten machen seine Vielfältigkeit aus, in allen diesen Identitäten erlebt er unterschiedliche Seins-Weisen, Probleme, Konflikte und erfolgreiche und glückliche Zeiten. Da ich alle diese Identitäten mit gleicher Wertschätzung betrachte und behandele (und das sehr empfehle zu tun), sehe ich keinen Grund, hier etwas zu trennen, was nicht anders unterscheidbar zu sehen ist als unterschiedliche Individuen.

Du wirst in diesem Handbuch viele Verfahrensweisen finden, die in drei Richtungen bearbeitet werden. Auf diese Weise den psychischen Beschwernissen des Lebens „zu Leibe zu rücken“, ist in der deutschen psychologischen Tradition eher selten der Fall. Diese Arbeitsweise habe ich von meinen amerikanischen Kollegen übernommen, die hiermit wesentlich bessere Erfolge für ihre Klienten erzielen konnten. Denn: Wer sich ständig als Opfer versteht, übersieht seinen Anteil, den er durch aktives Tun oder Unterlassen zu seinem Stress, seinen Zwistigkeiten, seinem Ungemach hinzu fügt. – Insassen in einem englischen Gefängnis, die von einem Kollegen-Ehepaar mit Stress- und Trauma-Arbeit versorgt wurden, nannten diese Richtungen:

1. Opfer-Richtung,
2. Täter-Richtung und
3. Selbstbestrafungs-Richtung

Sie fügten sogar noch eine weitere hinzu: die Zeugen-Richtung. Diese habe ich in dieses Handbuch nicht aufgenommen, weil sie sich in meiner Praxis viel zu selten anwenden ließ. Es kann aber sein, dass du oder dein Co-Partner sie verwenden möchtest, weil das, was andere Personen, die dir evtl. nahe stehen, sich gegenseitig (an)tun für dich bedeutsam und wichtig ist, d.h. vor allem ein Trigger für deine eigenen entsprechenden Beschwernisse ist. In dem Fall fügst du den drei Richtungen, mit denen die Verfahren ausgestattet sind, diese Zeugen-Richtung hinzu.

Grundsätzlich gilt, dass nicht alle Richtungen von dir bearbeitet werden müssen.

Nur die beladenen Fragen, Anweisungen und Richtungen brauchen deine Aufmerksamkeit und Bearbeitung. Das ist wohl selbstverständlich, denn man putzt ja einen Raum auch nicht noch einmal, wenn er bereits sauber ist oder gar nie verschmutzt war. Außerdem kann es sein, dass du die Richtungen nicht in der Reihenfolge 1., 2., 3. bearbeitest, weil Ereignisse in dein Gesichtsfeld rücken, die nicht zu allererst oder überhaupt nicht im Opfer-Sinne beladen sind. Du widmest dich also immer zuerst der Richtung, die sich zuerst „anmeldet“ und bearbeitest hernach die anderen.

Hier und da habe ich nach einem Verfahren ein Gedicht aus meiner Sammlung hinzugefügt. Sie sind alle entstanden, nachdem ich mir selbst oder meine Kollegin mir einen großen oder größeren belastenden Brocken von der Seele gerollt hatte/n.

Solches seelische Aufatmen nach einem erfolgreich bearbeiteten Verfahren wird immer von einer Einsicht oder einer Erkenntnis gekrönt und die ist, so drückte es einer meiner Kollegen aus, eine Belohnung und eine Wertschätzung an uns selbst. Sie ist einzigartig und gehört uns ganz allein.

– Meine Gedichte mögen dein Lachen, Schmunzeln oder Froh-Sein bei solchen Erkenntnissen noch weiter beflügeln.