Im Beruf

Sich selbst besser verstehen, um ein zufriedener Mitarbeiter zu werden. Mitarbeiter und Teams verstehen, um eine bessere Führungskraft werden.

Mitgefühls-Ermüdung

Inhaltsverzeichnis

Definition

Mitgefühls-Ermüdung („compassion fatigue“) beschreibt einen Zustand emotionaler, mentaler und teilweise auch körperlicher Erschöpfung, der entstehen kann, wenn Menschen über längere Zeit intensiv mit dem Leid, den Sorgen oder den Problemen anderer konfrontiert sind. Besonders betroffen sind häufig soziale, therapeutische, medizinische oder pflegende Berufe – grundsätzlich kann sie jedoch jeden Menschen treffen, der dauerhaft stark für andere da ist.

Typische Anzeichen können sein:

  • emotionale Erschöpfung
  • innere Distanz oder Gleichgültigkeit
  • Reizbarkeit oder Frustration
  • Überforderung und Antriebslosigkeit
  • Schlafprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten
  • das Gefühl, nicht mehr ausreichend helfen zu können


Mitgefühls-Ermüdung entsteht oft schleichend. Häufig gehen ihr dauerhaft hohe Verantwortung, fehlende Abgrenzung, ungelöste Belastungen oder mangelnde Selbstfürsorge voraus. Wichtig ist: Sie ist kein Zeichen von Schwäche, sondern kann eine natürliche Reaktion auf langfristige emotionale Belastung sein.

Bewusste Erholung, Reflexion, klare Grenzen und soziale Unterstützung können helfen, frühzeitig gegenzusteuern.

Verfahren: Fragen zu Mitgefühls-Ermüdung

Dieses Verfahren führst du folgendermaßen durch:

1. Du notierst dir beim Durchlesen der Liste, wo du quasi „hängen bleibst“, wo du fühlst, dass dies dein Thema ist, das du bearbeiten solltest. Mache dir zu der Frage bewusst, was sich zugetragen hat, was du fühlst, erkennst, was du als bisher nicht bekannt entdecken kannst. Wenn dich die Antworten, die du findest, zufrieden stellen und du dich wohler fühlst, dann lass diese Liste erst einmal ruhen.

2. Wenn du mehr entdecken willst, weil du dich mit dem, was du bis dahin gefunden hast, noch nicht zufrieden bist, dann frage dich zu dem Punkt, den du gerade behandelst, ob es eine frühere und ähnliche Situation gab. Schaue dir diese gründlich an. Du arbeitest genauso weiter, wenn du dich noch nicht besser fühlst, bis du an deinem Endpunkt (EE) angekommen bist. Bedenke: Viele unserer Einstellungen, Überzeugungen, unsere Moral etc. haben ihren Ursprung in unserer Erziehung und prägen uns z.T. unreflektiert. – Jetzt solltest du pausieren und deinen besseren Gemüts-Zustand genießen.

3. Arbeite später mit dieser Liste weiter, denn sie ist dazu da, dir bei den Veränderungen, die mit ihrer Durcharbeitung verbunden ist, weiter zu helfen. Du wirst bemerken, dass sich Einstellungen von dir zu deinem Beruf, zu dir selbst, zu deinem Umfeld verändern werden, Veränderungen, die z.T. ganz konkret anzugehen sind.

4. Auf der Liste findest du einige Fragen, die mit Abwertungen und falschen Einschätzungen verbunden sind. Dies sind falsche Zuweisungen, denen du bewusst entgegen treten solltest. Sie betreffen dich, weil sie dich getroffen haben, mehr oder minder hart. Sage dir innerlich, dass dies falsche Zuweisungen sind und dass die zutreffende Zuweisung __________ (notiere dir am besten das, was richtig ist) lautet. Du wirst dich hernach wesentlich besser fühlen und im Sinne deiner Bewusstseins-Veränderung auch dein Umfeld verbessern wollen.

  1. Gibt es einen Vorfall, bei dem du das Gefühl hattest, nicht ausreichend helfen zu können oder geholfen zu haben?
  2. Gab es Ergebnis-Erwartungen bzgl. dir anvertrauter Menschen, die nicht oder nur geringfügig erfüllt wurden, ein Umstand, den du bedauert hast?
  3. Hat jemand von dir erwartet, dass du dich noch mehr für andere einsetzt?
  4. Hast du dich für jemand anderen besonders eingesetzt und es wurde dir nicht dafür gedankt?
  5. Hast du bewusst versäumt, dich um deine Belange bzw. deine Bedürfnisse zu kümmern?
  6. Hast du zugesagt, als du eigentlich hättest „nein“ sagen sollen?
  7. Hast du versäumt, die ersten Anzeichen von Mitgefühlsermüdung ernst zu nehmen?
  8. Hast du das Gefühl bekommen, zu wenig Einfluss auf deine Arbeit zugebilligt zu erhalten?
  9. Hast du dich angetrieben zu arbeiten oder besonders intensiv zu arbeiten, als du dazu eigentlich Energie-mäßig gar nicht mehr in der Lage warst?
  10. Hattest du negative Gefühle zu dir anvertrauten Menschen, die du nicht wahrhaben wolltest, bzw. verdrängt hast?
  11. Fehlt dir die gerechte Wertschätzung für deinen Einsatz am Arbeitsplatz?
  12. Fühlst du dich nicht fähig, deine Arbeit so zu verrichten, wie du das von dir selbst erwartest?
  13. Hast du versäumt, dich abzugrenzen, als es für alle Beteiligten das Beste gewesen wäre?
  14. Hast du Arbeits-Probleme mit nach Hause gebracht und dort diskutiert?
  15. Bist du frustriert, was deine Berufskarriere anbetrifft?
  16. Hast du Schwierigkeiten mit widersprüchlichen Werten in der Arbeit?
  17. Kannst du Arbeitswelt und Privates gut genug auseinander halten?
  18. Bist du in deiner Arbeit in irgendeiner Hinsicht unterfordert?
  19. Hast du zu hohe Leistungserwartungen an dich selbst?
  20. Gibt es andere Lebensbereiche, in denen dir die Stresse und Traumata anderer Personen zu nahe gehen bzw. deine Aufmerksamkeit zu sehr in Anspruch nehmen?
  21. Hat es jemals eine Person in deinem Leben gegeben, die dir den Eindruck vermittelt hat, dass du dann besonders wertvoll seist, wenn du dich sehr um andere kümmerst bzw. dich für andere aufopferst?
  22. Bekamst du zu dem Zeitpunkt, als dir klar wurde, dass du in einem müden Zustand geraten warst, zu wenig Schlaf?
  23. Ist in diesen Fragen ein Thema nicht angesprochen, das dir wichtig ist?
  24. Fühlst du dich im Grunde unfähig für deinen sozialen Beruf?
  25. Hat dich jemand als unfähig für deinen Beruf bezeichnet?
  26. Haben sich deine Wertvorstellungen zu deinem Beruf verändert?