Allgemein

Allgemeines Wissen und dazugehörige Verfahren zu diversen Themen der Persönlichkeitsentwicklung.

Identität

Inhaltsverzeichnis

Das Identitäts-Programm

IRM-Veröffentlichung mit zusätzlicher Bearbeitung von Hildegard Jahn

Wir sollten uns grundsätzlich klar machen, dass unser Sein, Tun und Haben ganz entscheidend von andere Menschen beeinflusst werden, (was vice versa gilt!), so dass wir nicht immer sagen können, dass unser Tun, unsere Entscheidungen, unser Denken, unsere Motive u.v.a.m. ganz allein von uns selbst stammen.

An diesem Umstand ist grundsätzlich nichts verkehrt, denn Erziehung, Lernen, Zusammenarbeit, Beziehungen sind immer Vorgänge, in denen einer vom anderen abhängig ist, ohne die gemeinsames Leben von Menschen nicht denkbar ist. Dabei setze ich immer voraus, dass das Individuum in seiner Daseins-Grundbefindlichkeit ein „Ereignis in einem Fall“ ist.

Nun haben wir es aber mit mindestens zwei Umständen zu tun, die einer optimale Entwicklung des Menschen entgegenstehen. Da ist zum einen die Tatsache, dass wir sehr hilflos geboren werden und damit auf „Aufzucht“ angewiesen sind. Es ist nicht selbstverständlich, sondern eher ein Glücksfall, wenn wir mit aufgeklärten, entwickelten Eltern gesegnet sind, die verstanden haben, dass das, was das Kind als Bewusstsein, Wille und Liebe (diese drei bilden das, was man als Bestandteile der „Seele“ erkannt hat) von vornherein „mitbringt“ und die bei aller Anpassung an ein Erdenleben mit seinen spezifischen Herausforderungen gewahrt und entwickelt werden soll. Dabei ist die Vorbildfunktion der Erziehenden wichtiger als alles „Erziehen“. Kinder unterscheiden sehr genau zwischen dem, was wir sagen und dem was wir tun. Wenn aber die Erziehung darauf hinaus läuft, dass das Kind hinsichtlich seines Willens (dabei handelt es sich um seine Art, sich entwickeln zu wollen, teil zu haben und Teil der Gemeinschaft/Familie zu sein) und seiner Liebe (dabei handelt es sich um seine Art, sich verbinden zu wollen und sich verbunden zu fühlen) in Verhaltens- und Orientierungs-Richtungen mit Überlebens-abträglichen Inhalten getrieben wird, dann gerät sein Bewusstsein in jene Bereiche, die ich mit den unteren Emotionen beschrieben habe. Das geschieht über die Identifikation mit den Erziehenden, die Unzureichendes oder Abträgliches vorgelebt haben. Wir sind besonders als Kinder so sehr auf die Orientierungen der Erziehenden angewiesen und gleichzeitig außerstande, uns ihrem auch manchmal negativen Einfluss zu entziehen, weil dieser mit Druck, Gewalt, mit Erpressung und negativen Absichten, aber vor allem mit unserer Abhängigkeit verbunden sein kann, dass wir im erwachsenen Alter ordentlich zu tun haben, uns von diesen Einflüssen zu befreien, sofern wir überhaupt erkennen, dass es da Behinderungen dieser Art in unserer Lebenssicht gibt, die unsere Entfaltung im Wege stehen. Alice Miller hat in ihren Büchern das Dilemma und die Auswirkungen solcher fehl gelaufenen Erziehung sehr einprägsam beschrieben.

Der andere Umstand, dass wir Menschen in unserer Entwicklung zu uns -„Selbst“ und unseren schlummernden Fähigkeiten behindert sind, ist unser Denken, Handeln, unser ganzes Dasein in Hierarchien, d.h. in bewusst konzipierten und installierten Lebens-Verhältnisse, die sich spalten in Machthaber und Macht-Unterworfene. Zwar wird in einer funktionierenden demokratischen Staatsform darauf hin gearbeitet, dass solche hierarchischen Strukturen gemildert werden, aber da ist sehr viel zu tun, wenn man eine durchgängig demokratische Lebensform für alle Menschen erreichen möchte.

Und so leben wir denn mit den Irrtums-behafteten und einschränkenden Identitäten von Männern und Frauen, von Einfluss-Nehmenden und Beeinflussten, von Hochgestellten und Untergeordneten. Wir sind uns zu wenig bewusst, dass z.B. in der Hierarchie einer Firma, in der notwendiger Weise unterschiedliche Kompetenzen zusammen arbeiten, keine unterschiedlichen Wertschätzungen gelten müssen.

Wenn wir resignieren, wenn wir den Druck der Übergeordneten nicht mehr standhalten können, wenn wir das durch andere verursachte Leid nicht mehr ertragen können, dann unterdrücken und verdrängen wir unseren gesunden „Eigenwillen“, identifizieren uns mit dem Verhalten dieser Menschen und werden ihnen ähnlich oder fast wie sie, d.h. wir haben von ihnen Teil-Identität übernommen. Wir werden dann strafende Eltern, schnauzende Väter, missbilligende Lehrer, anmaßende Vorgesetzte, aber auch Religions-Abhängige, Brave Untergebene, Angstvoll Angepasste oder gar Narzissten, Kriminelle und Zerstörer.

Wenn wir schließlich erkennen, dass bestimmte Identitäten unerwünscht sind, dann ist es an der Zeit, dass wir uns dem Programm zuwenden, mit dem wir uns von solche Identitäten freimachen, an die wir fixiert sind oder mit den wir uns Schwierigkeiten einhandeln. Es geht also um Situationen oder Umstände, in denen du dich beispielsweise gezwungen fühlst, eine bestimmte Identität zu sein oder nicht zu sein, oder in denen du Menschen begegnet, die eine bestimmte Darstellungs-Art betreiben, mit denen du Schwierigkeiten hast.

Der erste Schritt besteht für dich darin, dir die angehängte „Erweiterte Identitätsliste“ vorzunehmen, sie aufmerksam zu lesen; und gleich an der ersten Stelle, wo dir die betreffende Frage „aufstößt“ inne zu halten. Du suchst nicht nach dem Namen einer Person, an die du bei der Frage denkst, sondern du fragst dich nach der Identität, die die Person, an die du denkst, zum Ausdruck bringt. Es geht dann nicht um „Marianne“, sondern um die Identität einer „Freundin“ oder „Schulkameradin“.

Verfahren

Nach „dringlich/wichtig“, und zwar in absteigender Reihenfolge nimmst du dir eine Identität heraus und verfährst damit folgendermaßen:

A. Behandlung von Störungen:

1. Verstimmungen:
a) Hat _______(Identität) mich verstimmt?_________________
b) Habe ich _____________(I.) verstimmt?________________
c) Habe ich selbst wegen _______eine Verstimmung gehabt?__

2. Sorgen:
a) Hat mir __________Sorgen gemacht?__________________
b) Habe ich__________Sorgen gemacht?_________________
c) Habe ich mir selbst wegen____Sorgen gemacht?_________

3. Verschweigen:
a) Hat__________mir etwas verschwiegen?______________
b) Habe ich __________etwas verschwiegen?___________
c) Habe ich mir wegen_________etwas nicht eingestanden?_

4. Verfehlungen:
a) Hat dir____ etwas Schädliches getan?________________
b) Hast du_____etwas Schädliches getan?_______________
c) Habe ich mir wegen____etwas Schädliches zugefügt?___

B. Bearbeite alternierend/wiederholend bis EE:

a) Was kann ich hinsichtlich____________so anschauen wie es ist?____
b) Was würde ich hinsichtl._______lieber nicht so anschauen wie es ist?

C. Nimm dir die Ent-Blockierungs-Liste vor und bearbeite sie in Bezug auf diese Identität bis zu deinem EE.

Stelle dir die Frage: „Habe ich in meinem Leben Personen gekannt, die die gleiche oder eine ähnliche Identität aufgewiesen haben? Wenn du eine oder mehrere solcher Personen gefunden hast, dann führst du mit jeder von ihnen die vier Störungen von A. bis zum jeweiligen EE durch.

D. Stelle dir die folgenden Fragen zu jeder der gefundenen und behandelten Identitäten:

a) Hat diese Identität irgend etwas gelöst?
b) Gab es irgend einen Vorteil aus der Annahme dieser Identität?
c) Was war oder ist ihr Zweck?

E. Finde heraus, welche Entscheidung du zu dieser Identität fällen möchtest? – Wenn dir das jetzt schwer fällt, dann stehen dir folgende Verfahren zur Verfügung:

1. Kommunikation:

a)Welche Kommunikation ist mir nicht gelungen, an ____(Identität) zu richten?
b) Welche Kommunikation ist_____(Identität) nicht gelungen, an mich zu richten?
Alternierend/Wiederholend bis EE bearbeiten.

2. Verhinderte Kommunikation:

a) Habe ich __________(Id.) unbeabsichtigt etwas nicht mitgeteilt?
Behandle dies mit früherer/ähnlicher „unbeabsichtigter Nicht-Mitteilung“.
b) Hat______(Id.) unbeabsichtigt mir etwas nicht mitgeteilt?
Stelle fest, um was es sich handelt und finde heraus, ob solches in der Vergangenheit ebenfalls vorgekommen ist.

3. Bearbeite die folgenden Fragen in der Sechser-Schritt-Folge wiederholend bis EE:

a) Was ist______________gewesen?
b) Was will ________tatsächlich sein?
c) Was hat_________getan?
d) Was will ____________tatsächlich tun?
e) Was hat _______________gehabt?
f) Was will ____________tatsächlich haben?

4. Verhindertes und erzwungenes Haben behandelst du in drei Richtungen alternierend /wiederholend bis EE. Auf die Linie setzt du die jeweilige Identität:

Richtung 1:
a) Was hat_________mir nicht gestattet zu haben?
b) Was hat ________ mir aufgezwungen, was ich nicht haben wollte?

Richtung 2:
a) Was habe ich________ nicht gestattet zu haben?
b) Was habe ich__versucht aufzuzwingen, das er nicht haben wollte?

Richtung 3:
a) Was habe ich mir wegen______ selbst nicht gestattet?
b) Was habe ich mir wegen______selbst aufgezwungen, das ich nicht haben wollte?

Jetzt stehst du vor der Frage: Wie entscheide ich zu der/den Identität/en? Wenn du dir ganz eindeutig sagen kannst: So wie diese Identität existiert, werde ich von jetzt ab nicht mehr sein/tun/haben, weil ich z.B. keinen Sinn darin sehe, anders zu sein/tun/haben als ich tatsächlich BIN, dann hast du an dieser Stelle etwas sehr wichtiges für dich getan und du weißt, dass du dich an dein Versprechen halten kannst. – Aber du kannst auch zu einer ganz anderen Einsicht kommen. Hauptsache ist; dass du dich von dieser/n Identität/en befreit hast und dass du keinen Verlust empfindest, sie verloren zu haben, sondern dich in einer neuen Unabhängigkeit befindest und DEINE Entscheidungen von jetzt ab von keiner Identität beeinflusst selbst fällst.

Aus eigenem Erleben bzw. der entsprechenden Aufarbeitung mit Hilfe von Identitäts-Verfahren habe ich erkannt, dass bestimmte unethische Verhaltensweisen meiner inzwischen längst verstorbenen Mutter mich zwar in meinem Handeln nicht beeinflusst haben, aber ich habe über Jahrzehnte nicht angezweifelt, dass dieses bestimmte überlebens-feindliche Handeln „berechtigt“ oder „richtig“ war. Das kam daher, dass sie sehr überzeugend kund tat: „Wer mich kritisiert, kann nicht ganz richtig sein.“ Ihren Ausspruch habe ich zwar im Laufe der Zeit zu belächeln gelernt, aber nie ist mir klar geworden, dass sich dahinter ihre Strategie verbarg, eben bestimmte negative Vorkommnisse nicht ans Licht kommen zu lassen. – Das ist das Kreuz mit seinem „Schatten“, den man nicht wahrhaben will, weil man sich der Identität, der/die „Gute“ sein zu müssen, so schwer entgegen stellen kann.

Identitäten-Liste

  1. Hat jemand einen beträchtlichen Einfluss auf mich gehabt? 
  2. Gibt es jemanden, den ich sehr gemocht oder bewundert habe? 
  3. Gibt es jemandem, dem ich es gleich zu tun versucht habe? 
  4. Hat mich jemand dominiert? 
  5. Gibt es jemanden, durch den ich eine besonders schwere Zeit hatte? 
  6. Habe ich herausgefunden, dass jemand besonders unterdrückend oder bedrückend für mich war? 
  7. Gibt es jemanden, der sich mir gegenüber besonders kritisch verhalten hat? 
  8. Gibt es jemanden, der mir das Gefühl von Unwohlsein vermittelt? 
  9. Gibt es jemandem, vor dem ich mich fürchte? 

Erweiterte Identitäten-Liste

Wichtiger Hinweis:

Diese Liste thematisiert u.A. auch das Thema sexueller Übergriffe. Wenn du dich damit nicht wohlfühlst oder es zu retraumatisierend für dich sein könnte, verzichte auf diese Liste und kehre ggfs. zu einem geeigneteren Zeitpunkt zurück. 

  1. Gibt es jemanden in meiner Vergangenheit, an den ich immer wieder denken muss? 
  2. Habe ich sein wollen wie jemand anderer? 
  3. Gibt oder gab es jemanden, der mich hasst? 
  4. Hat mich ein Mensch sehr enttäuscht? 
  5. Hat mich jemand immer wieder abgewertet? 
  6. War mir jemand unheimlich? 
  7. War es besonders lohnend, sich wie jemand anderer zu verhalten? 
  8. Hat mich jemand immer wieder niedergemacht? 
  9. War es besonders erstrebenswert, so wie jemand anderer zu sein? 
  10. Wurde mir jemand immer wieder als Vorbild vor die Nase gestellt? 
  11. Habe ich mich vergebens bemüht, wie jemand anderer zu sein? 
  12. Fand ich, wie jemand anderer zu sein, sei abscheulich? 
  13. Habe ich den Einfluss, den jemand auf mich ausgeübt hat, als schädlich für mich empfunden? 
  14. Habe ich mich gegen einen Übergriff von jemanden wehren müssen? 
  15. Konnte ich mich nicht gegen den Übergriff eines anderen gegen mich wehren? 
  16. Hat mich jemand missbraucht? 
  17. Hat mich jemand sexuell missbraucht? 
  18. Hat mich die Sexualität von jemandem angewidert? 
  19. Fand ich die Sexualität von jemandem als lästig? 
  20. Will ich etwas nicht wahrhaben, das mir ein anderer angetan hat? 
  21. Habe ich irgendwann einmal aufgehört, mich zu mögen, so wie du bist? 
  22. Fühlte ich, dass ich mich mit jemandem vergleichen sollte? 
  23. Hat mir jemand einen Vergleich mit sich selbst aufgezwungen?