Allgemein
Allgemeines Wissen und dazugehörige Verfahren zu diversen Themen der Persönlichkeitsentwicklung.
Besuch
Textsammlung von mir; Spätsommer 1978
Inhaltsverzeichnis
Mut und Tapferkeit
Mut und Tapferkeit begegneten sich mitten im Gewühl des Lebens. Sie schritten strahlend auf einander zu und hauten; jeder dem anderen, einen kräftigen Freundschaftsschlag auf die Schulter mit: „He, schaust du aber heute tapfer aus!“ und „Donnerwetter, der Mut scheint dir aber aus sämtlichen Knopflöchern!“ Und nachdem sie eine Weile ihre Freude aneinander ausgetauscht hatten, blitzte es in Muts Augen wunderschön auf, und er hatte einen Vorschlag an Tapferkeit, denn Mut war immer ein wenig schneller mit Ideen als sein Freund: „Du“, begann er, „du, wir müssen unbedingt wieder einmal ein umwerfend schönes Ding drehen; du, wie denkst du darüber?“ Und als Mut ihm den ungefähren Plan ins Ohr geflüstert hatte, strahlte ihn Tapferkeit, auch nicht mit schwachen Nerven und Phantasielosigkeit gequält, munter an und entgegnete: „Jawohl, machen wir, und die nächsten richtigen Typen, auf die wir stoßen werden, die nehmen wir gleich mit!“
Liebe und Freude
Liebe und Freude begegneten sich. Aber an welchem Ort? So fragst du dich gewiss. Nun, gewiss ereignete sich dies an einem sanften, warmen Frühlingsnachmittag auf einer blühenden, vom Winde besäuselten Wiese, so im Schwarzwald oder im Allgäu oder auch ganz woanders. Und selig die Arme ausgebreitet schwebten sie sich entgegen, und wie sie sich berührten, gab es nicht den leisesten Aufprall, nur ein lächelndes „Ach, du bist’s wieder, holdes, liebreizendes Wesen du“; und innig umschwebten sie einander, und wären nicht die beiden anderen von vorhin gekommen, um sie für ihre Tat mitzunehmen, so schwebten sie in seligem Spiel noch heute treu-traumversunken umeinander.
Scharfsinn und Ethik
Diese beiden hatten schon oft Hand in Hand gearbeitet; und als sie sich wieder einmal bei einer Arbeitssitzung trafen, schüttelten sie sich kräftig die Hände, spuckten in dieselbigen, arbeiteten ihr Tagewerk zu Ende, sahen sich verwundert an, denn sie waren nüchterner Natur und gönnten sich eigentlich keine Verschnaufpausen oder preisende Betrachtungen ihres gemeinsamen Werkes – und nahmen sich nach einem Tag tüchtigen Tuns das Recht auf ein genüssliches Aufschnaufen, wobei Ethik als erster das Wort ergriff, etwas erstaunt über sich selber, das zu sagen: „Ja, weißt du, Scharfsinn, wundert mich nun gar nicht, dass wir’s so glatt zuwege gebracht haben, du hast ja auch heute wieder einmal deine Intelligenz recht schön parat gehabt.“ Worauf es Scharfsinn ein wenig warm ums Herz wurde und er entgegnete: „Du hast heute wunderbar das Für und Wider abgewogen; das war dann die Voraussetzung dafür, dass ich ungehindert für unsere Sache meinen Geist spielen lassen konnte.“ Und so, in der nüchternen, aber auch erfreuten Darstellung ihres Zusammentuns, trafen die Vorangegangenen sie an und überzeugten sie, an ihrer Tat mitzuwirken, und sie kamen mit; denn bei dem, was da zu erwirken notwendig werden würde, waren sie gänzlich unabdingbar.
Energie und Macht
Diese beiden Prachtwesen, mit einer Seelenstärke gerüstet, dass es eine Herde angreifender Elefanten gegraust hätte, standen auf einem Hügel, von dem aus sie das ganze umliegende Land überblickten, und philosophierten einen taten-vollen Traum. – Ich verrate dir den Inhalt aber nicht! – Nun, wie sie so, fest mit den Füßen auf dem Boden stehend, die Hände in die Seiten gestemmt, in den Augen das Blitzen von großen Gedanken und Zuversicht, um sich blickten, sahen sie die Vorangegangenen in munterem Zug auf sich zukommen. Als diese bei ihnen angelangt waren und ihnen ihren Plan zugerufen hatten, da wussten sie sich voll und ganz als zugehörig und gebraucht, und ihr gemeinsamer, tiefer und kraftvoller Traum konnte nun der Verwirklichung entgegengehen.
Güte und Vertrauen
Güte tippte Vertrauen heiteren Gemütes auf die Schulter und sprach: „Du reines Wesen, du segensreiches, wärmendes Herz, du mit der last-losen Brust und der Ursprünglichkeit eines Säuglings Ausgestatteter, mein bester Freund, komm’, wir sollten uns nicht nur aneinander freuen, wir sollten über uns hinauswachsen und andere teilhaben lassen.“ – Darauf erhob Vertrauen sanft seine Augen, wandte sich Güte noch direkter zu, wobei sich sein Gesicht noch mehr erhellte und begann mit wohltuender Stimme: „Wenn du bei mir bist und bei allem, was wir tun, bleiben wirst, wo du mich doch mit deiner Wärme ermunterst und ich ganz sicher weiß, dass du unter allen der freundlichste Freund bist, so will ich gerne mittun.“ – Und da inzwischen bekannt war, dass die Vorangegangenen durchs Land wanderten, gingen sie ihnen entgegen und schlossen sich ihnen an.
Frieden und Seligkeit
Frieden und Seligkeit saßen wieder einmal an einem zeitlosen Ort, wo gleichzeitig in den pastellenen Farben des Sommers Grashalme mit einander schmusten, Bäume einander nach der Melodie des Windes summten, Menschen- und Tiermütter ihre Kinder säugten oder fütterten, Vögel Quodlibet miteinander sangen und Schafe nach langem statthaftem Marsche beieinander ruhten. Dieses einander zugeneigte Paar sprach selten und wenig mit einander. Das war auch nicht nötig; denn diese zwei, die sich ergänzten wie Zwillingsgeschwister, sagten sich den ruhigen Genuss ihres Daseins meist auf ganz andere Weisen. Manchmal seufzte der eine nur beglückt auf, bisweilen berührte das andere nur leise den Arm des Gezweits, wie um verständlich zu machen: „Da, horch’, wie schön ist doch die Geschichte, die die Großmutter dem kleinen Jungen gerade erzählt.“ Aber eigentlich war es unnötig, den anderen darauf aufmerksam zu machen, denn der hatte es bereits wahrgenommen. Aber wie sollten sie sich sonst nur vergewissern, dass sie sich beide freuten, dass ihnen beiden so wohlig zumute war.
Als die Vorangegangenen auf sie stießen, mussten sie viele Argumente ausgraben, um die beiden davon zu überzeugen, an ihrem Werke mitzumachen; denn Frieden und Seligkeit liebten es nicht, allzu sichtbar zu wirken. Sie wollten nur einfach da sein. Aber schließlich, nach einigem Zureden der anderen, meinten sie dann doch, dass sie für das große Werk vonnöten seien und zogen mit.
Treue und Ergebenheit
Treue und Ergebenheit saßen Hand in Hand am Bett einer sterbenden Großmutter und hielten ihre segnenden, gütigen Blicke auf sie gerichtet, damit sie nicht in ihrer letzten Stunde von Angst, Zweifel und Misstrauen geplagt würde, die böse grinsend in einer Ecke kauerten und hofften, die scheidende Frau überfallen zu können. Und als dann dieser Lebens-satte und von Arbeit und Pflichten ermüdete Mensch schließlich still und befriedet seinen letzten Atemzug in diesem Körper getan hatte und als zeitloses, unbelastetes und freudiges Wesen davon gegangen war, da folgten ihm Treue und Ergebenheit, um ihm noch eine Weile die ersten Schritte in diesem ungekannten Dasein zu weisen. Als dies nun getan war und sie gerade nach einer neuen Aufgabe Ausschau hielten, da stieß der Zug der Vorangegangenen zu ihnen, und alle baten die beiden, sie für ihr gemeinsames Werk zu begleiten; und da schlossen sich Treue und Ergebenheit willig an, denn sie erkannten sofort, wie nötig sie waren.
Heiterkeit und Humor
Diese beiden luftigen Wesen saßen gerade auf einer Birke und erzählten sich die allerneuesten Geschichten über Dummheiten, Schabernack und Streiche, aber auch über weises Tun, das ihnen in der letzten Zeit begegnet war. Und ihre blonden, jungen Bärte wedelten dabei im Wind; und wenn man ganz genau hinschaute, dann verfärbten sie sich hin und wieder grau-sokratisch. Immer wieder blitzte oder strahlte es in ihren Gesichtern auf, wie dies bei so prächtigen Wesen der Fall ist. Schließlich, als alle Neuigkeiten und Erzählungen ausgetauscht waren, schauten sie sich verdutzt an. So hatte sich das jedes Mal ereignet, wenn sie sich begegnet waren und das Erlebte ausgetauscht hatten. Sie kamen immer an den gleichen Punkt: Sie mussten in die Ferne ziehen, Neuigkeiten und Erlebnisse sammeln und dann austauschen, damit sie wieder recht tüchtig lachen und schmunzeln, aber auch verwundert sein konnten. Denn das war ihr Dasein. Und eigentlich hätten sie am liebsten nur so plaudernd beieinander gesessen. – Gerade, als sie sich von einander zu trennen anschickten, kam da der schon recht umfänglich angewachsene Zug der Vorangegangenen an ihrer Birke vorbei; und da bedurfte es keines langen Zuredens und sie liefen munter mit und unterhielten die anderen mit ihren Geschichten. – Du kannst dir bestimmt vorstellen, was das für ein fröhlicher Haufen war!
Weisheit und Hingabe
Diese beiden vortrefflichen Wesen wurden meistens in ihrem Sein missverstanden. Manche glaubten, Hingabe sei im Übermaß opfer-freudig und vergäße sich ganz und gar im Dienste am anderen. Was sie den anderen gab, tat sie auch für sich selbst, und so war sie immer voll gleichbleibender Kraft. Von Weisheit meinte man, sie erschöpfe sich in der Sammlung und im Abwägen von Gedachtem und sei überhaupt ein wenig elfenbeintürmig.
Diese Fehleinschätzung war wohl eine der Ursachen, dass sich die beiden, Weisheit und Hingabe, so gerne und hilfreich zueinander fanden. Um sie herum wurde diese Gemeinschaft als fruchtbare Zusammenarbeit von Gegensätzen verstanden. Aber sie wussten es besser: Sie ergänzten sich, gewiss, aber nicht als Gegensätze, sondern als aufeinander angewiesene Freundinnen. Wenn z.B. Hingabe etwas Neues in der Umwelt entdeckte, sprang sie zu Weisheit: „Sieh’ doch einmal, hier das Pflänzchen, was machen wir damit? Es scheint von dem dicken Kohl erdrückt zu werden.“ Weisheit lächelte jedes Mal, wenn die so leicht begeisterte und so schnell zum Handeln bereite Hingabe wieder einmal auf etwas Lebendes zustolperte. In einem solchen Fall wiegte Weisheit langsam ihr Haupt von einer Seite zur anderen und freute sich mit Hingabe, leiser zwar,aber nicht weniger innig, und hub dann an: „Du hast es wahrlich gut entdeckt, fürwahr, das ist eine gute Pflanze, eine Wicke, so meine ich feststellen zu können. Nun, was meinst du, sollte damit geschehen?“ Hingabe darauf freudig-lebendig: „Wir nehmen es da fort und setzen es auf dieses Wiesen-Stück hier.“ Weisheit, leise lächelnd: „Besser nicht, meine Liebe, Wicken müssen klettern und ranken können, wenn sie größer werden. Ich meine, der Kohl ist kein schlechter Nachbar für sie. Sie werden sich arrangieren. Ich könnte mir vorstellen, dass es dem Kohl schmeichelt, eine so schöne, grazile Nachbarin um sich ranken zu haben. Und sollte sie sich mit ihrer feinen Gestalt nicht gegen ihren Nachbarn durchsetzen können, nun gut, dann schafft sie es diesmal nicht und lernt es für ein anderes Mal. Das Leben hat nun einmal dies Gesetz.“ Hingabe fand das zuerst nicht gerecht und schon gar nicht freundlich, wie das Leben mit seinen Kindern umgeht, verstand dann aber nach einigem Innehalten und meinte schließlich: „Ja, ich muss es einsehen. Das Leben ist in seinen Gesetzen ganz richtig. Wir brauchen da gar nichts zu tun. Nur werde ich den beiden ab und zu einen Besuch abstatten und ihnen Mut zu ihrer Nachbarschaft machen, einverstanden?“ – Weisheit darauf: „Ich sehe wieder einmal, dass du sehr verständig bist, und das ermutigt mich, dir immer wieder beizustehen.“
Wie sie nun so weiter in ihrem Garten umhergingen, dies und jenes begutachteten und sich am Wachsen und Gedeihen erfreuten, kamen doch da die Vorangegangenen munter schwatzend an ihrem Ort vorbei und blieben begeistert stehen: „Ja, euch habe wir ja ganz vergessen! Ach, seid so gut, kommt doch bitte mit!“ Und sie erläuterten ihren Plan. Weisheit wiegte nun wiederum ihr Haupt, Hingabe blickte sie bittend an, und solcher lieben Eindringlichkeit hatte Weisheit nie widerstehen können, und so machten sie sich denn ohne lange Umschweife mit den anderen auf den Weg.
Kostbarkeit und Anmut
Diese beiden wohl-ausschauenden Wesen liebten stilvollen, sensiblen Umgang miteinander. Wann immer sie sich begegneten, konnte man etwa folgendes von Kostbarkeit zu Anmut vernehmen: „Lieblich leuchtet heute wieder dein Antlitz, ich bin entzückt, deiner Grazie ansichtig zu sein.“ Dabei verbeugte sich Kostbarkeit ergeben und harrte mit tunlichem Abstand auf Anmuts Erwiderung. Anmut lächelte zart und beständig gleich bezaubernd und sprach dann mit sanften Worten und leichter Bewegung ihrer Hände: „Siehst du, werte Kostbarkeit, mein Wesen wird sich im Angesicht deines Daseins seiner selbst bewusst, denn du gibst mir, wie allem, dem du begegnest, die Würde des Besonders-Seins und dadurch existiere ich. Du enthüllst meinen tiefsten Sinn, worauf ich ihn dann darstellen und damit spielen kann. Du bist mir wahrhaftig kostbar, denn dein Wesen ist wie ein duftender Brillant, und deine dich verbergende Bescheidenheit größert dich. Oh, wer wäre ich ohne dich?!“ Darauf errötete Kostbarkeit, wie auch bei anderem Lob, den sie hier und dort empfing. So blieb sie ihrem Wesen treu, weil sie sich ihrer selbst nie recht bewusst geworden war und Anmut so sehr brauchte, damit sie sich wenigstens ab und an gewahr werden konnte. Und das war gut so, denn auf diese Weise wurde sie immer wie neu erschaffen.
„Wir brauchen die beiden,“ so sagten die Vorangegangenen mit tiefer Inbrunst, vor allem Frieden und Seligkeit, als sie auf ihrem Weg waren und nach ihnen suchten. Als sie sie dann endlich gefunden hatten, war es etwas mühsam, sie von ihrer Mission zu überzeugen. Die beiden ahnten ja nicht, wie wichtig sie waren, damit das Werk, das vor ihnen lag, nicht der Schönheit und der Wohlgestalt entbehrte.
Und was haben diese frohgelaunten und tüchtigen Wesen nun eigentlich unternehmen wollen, so fragst du dich gewiss schon eine Weile.
Ganz einfach. Sie wandten sich an diesen Ort, wo sie zur
Unterstützung unabdingbar sind: hier auf diese schöne,
lebendige, gute Erde, wo ihr Wirken erwünscht und
erkannt werden soll, und sie dann wirklich zur
vollen Blüte aufgehen können, damit sie uns
beistehen, rechte Menschen zu sein,
die Orte unseres Daseins zu
würdigen und einander
Geschwister
zu werden.
EINSTIEG
WEITERFÜHRENDE INHALTE
Besuch
Identitäten
Probleme
Resilienz
Sein
Liste: Angenehme Erinnerungen
Verfahren: Dankbarkeit
Verfahren: Das erspürte Gefühl
Verfahren: Daseins-Befindlichkeiten
Verfahren: Intelligenz
Verfahren: Kommunikation
Verfahren: Sich verändern
Verfahren: Überheblichkeit
Verfahren: Überlegenheitsgefühl
Verfahren: Verhaltensmuster