Kinder
Kinder besser verstehen, ihre Entwicklung begleiten und ihnen einen guten Umgang mit Emotionen und Herausforderungen vermitteln.
Trauma-Behandlung bei Kindern
Inhaltsverzeichnis
Einführung
A. Ein naher Angehöriger/Freund/Freundin ist gestorben.
Zusätzliche Schritte zu kindgerechter Aufarbeitung des Traumas der Gesamtsituation des Sterbens, Begräbnisses und der Trauerzeit danach, können folgende Fragen bilden:
1. Fühlst du manchmal Angst, wenn du an … denkst?
2. Einsamkeit….
3. Traurigkeit….
4. Leblosigkeit….
5. Verwirrung….
6. Verzweiflung….
7. Zorn/Wut….
8. Verachtung….
9. Hass….
10. Widerstand….
11. Neid auf andere, weil sie so etwas Trauriges nicht erleben mussten?
B. Was hast du an dem Verstorbenen nicht gerne gemocht?
C. Seit … nicht mehr lebt, was hast du da besonders bedauert?
D. … fühlst du dich für irgend etwas schuldig, das mit … zu tun hat?
E. Was hast du an … besonders gern gemocht?
F. Erzähle mir von einem Tag, den du mit … verbracht hast.
G. Erzähle mir von einem besonders schönen Tag, den ….
H. Symbolische Handlungen: Brief an den Verstorbenen schreiben und an seinem Grab nieder legen; an den Ort gehen, wo sie gemeinsam am liebsten waren, und dort einen Stein, ein Spielzeug oder etwas, was der Verstorbene besonders gern hatte, nieder legen; bei Gebeten oder Meditationen dem Verstorbenen Grüße zusenden; sofern möglich: dem Verstorbenen ein Lied komponieren und spielen/singen oder ein Gedicht schreiben.
I. Bei Wunsch und Bedarf das Kind nach Wissen über andere als christliche Totenkulte befragen; evtl. von besonders schönen Totenkulten berichten.
J. Vorstellungen bezüglich dessen erfragen, was der … Verstorbene jetzt gerade tun mag.
K. Wenn das Kind noch den Wunsch danach verspürt: eine Kommunikation mit dem Verstorbenen anbieten.
L. Erinnerungs-Listen für Kinder nach Themenwunsch durchführen.
Fallbeispiel
Meine Freundin M. schrieb mir folgendes:
„F. (ihre ältere Tochter, 11 Jahre alt) ist letzte Woche … schwer vom Schwebebalken gestürzt und hat sich die Elle und die Speiche des linken Unterarms gebrochen. … Das war ein Schreck! … L. (ihre jüngere Tochter, 9 Jahre alt) war auch mit in der Turnhalle als das passierte (und der Arm stand „in alle Richtungen“ – es sah soooo fürchterlich aus). Sie muss den Schreck noch etwas verdauen. … Nun heißt es für F. (nach fachgerechter Behandlung in der Klinik): Arm ruhig stellen, kein Sport, Homeschooling.“
Ich mailte zurück:
„Wenn du meinst, dass ich F. helfen kann, dann lass es uns machen. Für den Fall, dass sich das nicht machen lässt, schreibe ich dir mal die verkürzte Form der Trauma-Arbeit auf, die du mit F. durchführen kannst. Der Sinn der Sache: Der Arm wird schneller heilen und F. wird Ängste und Besorgnisse, die sich bei solchen Ereignissen einstellen, nicht verewigen müssen. – Also:
1. eine ruhige, ungestörte Situation schaffen (Smartphone ausstellen!)
2. sich das Einverständnis von F. holen, also sie damit einverstanden ist, dass ihr euch die Sache mit dem Unfall noch mal anschauen wollt.
3. Anweisungen:
a. Wann war der Unfall?
b. Wie lange hat er gedauert?
c. Erinnere dich an den Beginn des Unfalls.
d. Bewege dich durch das Geschehnis bis zum Ende (soll sie mit geschlossenen Augen allein machen; es kann aber sein, dass sie gleich zu berichten beginnt, soll sie; wenn sie hingegen abblockt, d.h. sich schwer tut, den Unfall noch mal durch zu leben, dann sagst du:
e. „Geh ruhig weiter, ich bin ja bei dir.“
f. Wenn sie das Geschehnis durch gegangen ist: „Sage mir was geschehen ist.“ Ohne Unterbrechung erzählen lassen, Zeit dabei lassen, gut bestätigen, dass du sie verstanden hast.
g. Dann schickst du sie nochmal durch das Geschehnis mit c…., d…., e…., f.. – Wenn sie sich wundert, dass sie das noch mal tun soll, sage ihr, dass dadurch das Geschehnis immer leichter wird.
4. Es kann sein, dass F. mittendrin, unvermittelt eine Erkenntnis/Einsicht/eine Art Erleichterung äußert und wieder viel munterer in die Welt guckt (denn beim Durchgehen des Geschehnisses kann es stellenweise dramatisch werden, sie kann Schmerzen fühlen, Angst haben, weinen, was ganz normal ist und von dir nicht sonderlich dramatisch gesehen werden soll. Nur nicht trösten! Das wäre eine Unterbrechung von F.’s Arbeit, die nur sie machen kann und dadurch erfolgreich ist), dann lass sie ungestört ihre Erkenntnis sagen und bestätige diese sehr gut.
5. Wenn auf diese Weise eine Erkenntnis (und das kann dir wie eine ganz kleine, gar nicht besondere Aussage vorkommen, ist aber für F. wichtig) nicht zustande kommt, dann frage sie:
6. „Hat das Geschehnis, das du da gerade durchgehst, früher begonnen?“ und schicke sie von diesem neuen Beginn durch das Geschehnis bis zum Ende: d., e., f..
7. Wenn es nötig ist, dann wiederholst du 6. solange, bis ihre Erkenntnis/Einsicht/Erleichterung sichtbar wird. Ich vermute aus früheren Erfahrungen mit Trauma-Arbeit bei Kindern, dass F. nicht viele Wiederholungen braucht und in diesem „früheren Beginn“ findet, weshalb es zu dem Unfall kam. Wenn sie so etwas findet wie: „Ich hatte solche Angst vor der Übung, das konnte ja nur schief gehen,“ oder „ich habe mich so über … geärgert und war nicht konzentriert“, „ich mag Schwebebalken nicht“, dann ist die Sitzung zu Ende.
8. Vielleicht mag sie ja ihren Arm trösten und ihn lieb haben wie ein krankes Kätzchen, das sie mit aller Zuneigung umschmust und damit die Heilung unterstützt. Du weißt ja: Nach neuesten epigenetischen und quanten-physikalischen Erkenntnissen ist gesichert bewiesen, dass der Verstand die Physis beeinflusst, bzw. Anweisungen an diese erteilt, ohne die sich gar nichts tut.
9. Evtl. hilft es schon, wenn du etwas ganz einfaches fragst: „Kannst du mir erzählen, wie sich das mit deinem Unfall ereignet hat?“ Wenn alles erzählt ist, fragst du: „Hast du, kurz bevor es passiert ist, irgend etwas gedacht?“ Ausführlich erzählen lassen, gut bestätigen, wobei ihr ganz klar sein muss, dass du sie voll verstanden hast.
Ich hoffe das hilft; ansonsten ruf mich an, dass wir eine Zeit ausmachen, da ich F. helfen kann. – Und denke dran: L. Ist als Zeugin des Unfalls Mitbeteiligte und hat auch gelitten. Du kannst bei Bedarf, nämlich wenn sie immer wieder davon erzählt oder träumt, das gleiche Verfahren auch mit ihr durchführen.“
Ergebnis-Bericht:
Auf unserer Autofahrt zu einem gemeinsamen Freund berichtete mir M., dass beide Mädchen noch ziemlich bedrückt waren. Nach dem Sitzungs-Gespräch, wobei F. sich alles von der Seele berichtet hat, war sie sehr schnell wieder munter. Interessant, so sagte M., sei F., die früher, wenn sie sich mal in den Finger schnitt und glaubte, gleich sterben zu müssen, sich nun ganz anders verhielt. Nachdem sie die OP und das Krankenhaus ohne Schaden überstanden hatte, so meinte sie, könne sie diese kleinen Verletzungen auch ohne weiteres verkraften. – Nach Röntgen in der Klinik und der Feststellung, dass die Bruchstellen völlig normal zusammen wachsen, darf F. sich jetzt wieder ganz normal bewegen, sogar Skifahren, was sie demnächst in den Faschingsferien tun wird. – Mutter M. strahlt und meint, ich solle den Trauma-Bericht unbedingt in meinem Handbuch veröffentlichen und damit Eltern ermutigen, ihren Kindern genauso zu helfen wie sie das getan hat.