Paare

Ansätze und Einblicke für mehr Zufriedenheit und bessere Kommunikation in der Partnerschaft.

Eigenwille und Mutwille

gegen Kleinmut und Duckmäusertum

Diese Überschrift zu den folgenden Übungen ist mit entschiedener Absicht gewählt. Es geht hierbei darum, dass du dir deiner Mechanismen (das sind Einstellungen, Überzeugungen, Meinungen, Glaubenssätze etc., die du dir im Verlaufe deines Lebens gegen dein viel grundlegendes und besseres Wissen und dein intaktes Bewusstsein hast einreden lassen) klarsichtig wirst und sie aus deinem „Erfahrungs-Schatz“ entfernst. Denn: Unsere derzeitige, vor allem politische Kultur, oftmals gekennzeichnet durch Lendenlahmheit und Entschlusslosigkeit, leidet, zerbricht sogar in manche Gebieten am Kleinmut und Duckmäusertum der Ängstlichen und Antriebslosen. Wir Staatsbürger, und das sollten wir uns öfters mal vor Augen führen, sind die Träger und Substanz unseres kulturell-demokratischen Zusammenwirkens und wir dürfen uns von keiner autoritären Macht, von keinem übergriffigen Tech-Konzern den Schneid unseres „Eigenwillens“ abkaufen lassen.

Es geht nicht um die Gegensätze Friedfertigkeit contra Aggressivität, wie du vielleicht annehmen könntest, sondern es geht um die Überwindung unserer Mutlosigkeit und den Weg in Richtung Zivil-Courage.

Die folgende Mental-Übung führst du entsprechend den anderen in diesem Handbuch befindlichen Erinnerungs-Listen durch:

Ich finde ein Ereignis, als……

  1. ich mich erfolgreich gewehrt habe
  2. ich einem Gegner die Stirn geboten habe
  3. ich merkte, dass mich jemand hinters Licht führen wollte
  4. mir klar wurde, dass man mich verschaukeln wollte
  5. ich rechtzeitig erkannte, dass ich in einen Nachteil gebracht werden sollte
  6. ich mich mit Erfolg dagegen wehrte, in eine hasserfüllte Idee zu gleiten
  7. ich hasserfüllten Menschen meinen Mut zeigte, dem Hass zu widerstehen
  8. ich mich freute, als jemand einem anderen zeigte, wie man mutig sein kann
  9. ich etwas wieder in Ordnung brachte, das ein anderer zerstört hatte
  10. ich einer Lüge/falschen Angabe, die jemand im TV äußerte, innerlich eindeutig widersprach
  11. ich eine Belohnung bekam, weil ich eine ungewöhnliche Lösung für ein Problem fand
  12. ich eine Heldengeschichte mit großen Genuss hörte/las
  13. ein Tier vor mir zurückwich, weil ich ihm mutig entgegen trat
  14. ich einen anderen gegen eine Übermacht von irrationalen Argumenten verteidigt habe
  15. ich mich in blödsinnige Taten anderer nicht einbinden ließ
  16. ich mich freute, als ein Mensch der Öffentlichkeit mal ehrlich und aufrichtig sagte was Sache ist
  17. ich genussvoll feststellte, dass ich einer Übermacht erfolgreich entgegen treten konnte
  18. ich jemanden ermutigt habe, sich die Butter nicht vom Brot nehmen zu lassen
  19. ich merkte, dass Zuneigung und Mut zusammen gehören
  20. mir der Sieg über den Unverstand eines anderen richtig gut tat
  21. ich wusste, dass ich richtig plante, wie ich einem Widersacher in die Parade fahren könnte
  22. ich kein schlechtes Gewissen hatte, jemandem in einer gerechten Sache Widerstand geleistet zu haben
  23. ich einem Hosenscheißerle deutlich machte, dass er ein solches ist
  24. ich mich freute, dass ein Mitmensch zu seiner Überzeugung stand
  25. ich davon hörte, dass der Mut von jemandem anderen Menschen half zu überleben


Wenn du bei dieser Übung feststellen solltest, dass du evtl. zu heftig oder zu fordern mit anderen Menschen umgegangen bist oder dass meine Übungs-Inhalte zu deftig oder kaum zuzumuten seien, dann empfehle ich, darüber nachzudenken, dass wir uns oft viel zu schonungs-voll Mitmenschen gegenüber verhalten, weil wir meinen, wir sollten doch vorsichtiger sein, denn für den anderen wäre unser Verhalten oder unsere Kommunikation zu herausfordernd, zu streng, überfordernd. Solltest du so denken, dann gebe ich dir zu überlegen, ob du dich vielleicht verschätzt, was die Stärke anderer Menschen anbetrifft. Die meisten von uns können sehr viel mehr aushalten und bewerkstelligen als wir denken, zumal wenn unsere Absicht darin besteht, dem anderen dann beizustehen, wenn er unsere Unterstützung braucht. Dabei ist es häufig eher angebracht, ihm nicht die Hände unter die Füße zu legen, sondern ihm das Gehen, Laufen, Springen beizubringen. Das kann aber meistens nur gelingen, wenn wir fordern, drauf bestehen, ihn auch mal ein Risiko spüren lassen.

Dazu ein eigenes Beispiel: Als meine Co-Partnerin und ich uns mit dem Thema „Vorteilsnahme und Rechtfertigungen“ befassten, stellte ich fest, dass ich eine richtig schwer zu erkennende Fehleinstellung hatte. Bis dahin, mein ganzes Leben lang, hatte ich mich immer wieder um die Schwächeren, die Hintangestellten gekümmert und ihnen alles Mögliche abgenommen aus der Einstellung: Ich bin ja so stark und gut ausgestattet, dass ich alle Veranlassung hätte, von diesen Gaben anderen abzugeben. Was ich dabei nicht bemerkte war, wie ich die Energien anderer „schonte“, statt darauf zu bestehen, sich selbst ins Zeug zu legen und ihre Kräfte zu nutzen bzw. zu entwickeln. Damit machte ich andere unwissentlich schwächer, denn sie lernten u.a. durch mich den verkehrten Grundsatz: Wenn ich nur gut jammere und klage, dann kommt schon immer jemand angelaufen und nimmt mir meine Verantwortungen ab. – Und was schlug ich dabei für mich heraus? Ich war ja so ein guter Mensch, ein so toller Fels in der Brandung des Lebens! Dabei bemerkte ich nicht, dass ich mich ständig dabei schädigte; denn es wäre gut gewesen, meine Energien ausreichend auch für mich selbst zu nutzen.

Du merkst: Es lohnt sich, mal über vernünftiges und falsch verstandenes Helfen bzw. Hilfe-Erhalten nachzudenken.